Tierisch gut

Rücksicht != Einbahnstraße

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Meine Schwester ging mit ihrem E-Scooter auf der rechten Seite, Balu – mein Hund – in der Mitte, und ich links.
So spazierten wir gemütlich zum Parkplatz, auf dem Heimweg von ihrer Arbeitsstelle.

Es kam uns ein Paar entgegen, wir unterhielten uns, alles war ruhig und unscheinbar.
Doch die nächsten Passanten – ein anderes Pärchen – wurden uns beinahe zum Verhängnis.
Ihr kleiner Bub hüpfte Meter hinter ihnen auf dem kaputten Asphalt herum, Richtung seiner Eltern.

Wir sahen den Jungen, dachten uns nichts weiter, da er noch genügend Abstand hatte.
Doch dann machte er seinen letzten Hopser – direkt vor Balu.
In diesem Moment machte Balu einen Satz nach vorne und kam dem Jungen schon sehr nahe,
doch ich reagierte sofort, zog ihn an der Leine zu mir heran,
und im nächsten Augenblick war er wieder ruhig.

Er zeigte keine Aggression, kein Bellen, kein Zerren –
nur eine kurze, klare Reaktion auf etwas, das ihn erschreckt hatte.
Dann schaute er zu mir, als wollte er sich rückversichern, ob alles in Ordnung ist.

Meine Schwester und ich sahen uns an und konnten die Situation kaum fassen.
Ich drehte mich um, um zu sehen, wie die Eltern reagierten – aber sie waren schon zu weit weg, um irgendetwas mitzubekommen.


Reflexion

Mein Hund Balu ist sehr sozial.
Er liebt Menschen, ist neugierig und freundlich – bei manchen etwas skeptisch, so wie jeder von uns.
Doch in diesem Moment, als der Bub plötzlich direkt vor ihm auftauchte, kam er ihm gefährlich nahe.

Ich machte mir sofort Vorwürfe.
Aber meine Schwester sagte etwas Entscheidendes:

„Der Bursche war ja schon auf unserer Höhe.“

Und sie hatte recht. Der Bub hatte die Augen am Boden, die Eltern waren zu weit vorne.
Niemand achtete auf ihn.

Ich sagte zu meiner Schwester:

„Ja… und wenn Balu ernst gemacht hätte, müsste ich die Konsequenzen tragen – obwohl er nichts Ungewöhnliches getan hat.“


Ein ehrlicher Gedanke

Hunde sind in ihrer Kommunikation sehr deutlich.
Wenn sich jemand so verhält – blind, rücksichtslos, ohne Abstand zu halten – reagieren sie instinktiv, um die Situation zu klären.
Unsere Aufgabe als Halter ist es, ihnen zu zeigen, dass wir das übernehmen.

Aber mal ehrlich:

Wenn ein Kind hüpfend und ohne zu schauen plötzlich vor einem Hund landet –
was soll man als Halter da noch tun?

Ich habe Balu sofort an der Leine zu mir gezogen und ihn Richtung Boden geführt.
Er war danach völlig ruhig, weder neugierig noch verspannt.
Für mich sah es so aus, als hätte er einfach „klären“ wollen, dass das sein und unser Raum war.

Ich will hiermit nicht die Verantwortung von mir schieben.
Aber ich möchte darauf hinweisen, dass sie nicht nur bei uns Haltern liegt
sondern auch bei den Eltern, die ein Auge auf ihre Kinder haben sollten,
wenn sie uns schon mit einem Hund kommen sehen.

Dann blicke ich als Mutter oder Vater eben kurz nach hinten,
hole den Jungen her und lasse ihn vor mir gehen,
statt meterweit hinterherlaufen zu lassen.

Das sind kleine Gesten, die große Wirkung haben –
und oft verhindern, dass überhaupt erst Missverständnisse entstehen.


Abschließender Gedanke

Ich wünsche mir, dass Menschen Hunden mit dem gleichen Respekt begegnen, den sie selbst erwarten.
Dann braucht niemand Angst zu haben – weder Mensch noch Tier.

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1 Comments On „Rücksicht != Einbahnstraße“

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